Ich habe finanzielle Sorgen. Was kann ich tun?

Rente & Krankengeld
Die Erkrankung ist nicht nur eine körperliche und seelische Belastung sondern auch oft eine finanzielle. Neben Angst, Wut, Traurigkeit, Hoffnung und Verzweiflung ist es eine zusätzliche Belastung, wenn du dich mit Anträgen zu „Krankengeld“, „Erwerbsminderungsrente“ oder „Rente“ beschäftigen musst. Und dennoch ist es wichtig, dass du weißt, was dir zusteht und was die einzelnen Begriffen bedeuten.

Das Krankengeld steht allen gesetzlich Versicherten „während der Akutbehandlung“ zu.  Die ersten 6 Wochen, in denen du krankgeschrieben bist, erhältst du dein volles Gehalt ausgezahlt. Danach erhältst du weiter Krankengeld, allerdings nur noch 70% vom Bruttoentgelt, nicht mehr als 90% des Nettoentgeltes, für max. 78 Wochen (§47 Absatz 1 SGB V).
Es kommt nicht selten vor, dass dich noch während der Akutbehandlung deine Krankenkasse zu einem ärztlichen Gutachten auffordert. Hierfür gilt eine 10 Wochen Frist, die du unbedingt einhalten solltest, weil die Krankenkasse sonst die Zahlungen einstellen kann. Aus diesem Gutachten soll hervorgehen, dass deine Erwerbstätigkeit zum Zeitpunkt der Aufforderung „erheblich gefährdet oder gemindert“ ist und dein Krankengeldanspruch damit weiterhin gesichert ist. Sollte das Gutachten bescheinigen, dass du „voll erwerbsgemindert“ bist, entfällt dein Anspruch auf Krankengeld auch, weil du dann einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen musst.
In jedem Fall endet dein Anspruch auf Krankengeld nach 78 Wochen. Solltest du nach dieser Zeit nicht in der Lage sein, deine Arbeit wieder aufzunehmen, musst du einen Rentenantrag gestellt haben. Die Bearbeitung des Rentenantrags dauert je nach Rentenversicherungsträger zwischen einigen Wochen und ein paar Monaten.

Eine Erwerbsminderungsrente kannst du „voll“ und „teilweise“ beantragen.
Der Gesetzgeber spricht von der „teilweise Erwerbsminderungsrente“, wenn du trotz deiner Erkrankung weiterhin in der Lage sein wirst, mindestens 6 Stunden täglich arbeiten zu können (§43 Absatz 1 SGB VI).
„Voll erwerbsgemindert“ bedeutet, dass du „auf unabsehbare Zeit außerstande“ bist, „unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes min. 3 Stunden täglich erwerbstätig zu sein“ (§43 Absatz 2 SGB VI). Hier kommt die höchste finanzielle Einschränkung auf dich zu, weil die Höhe der Rente in der Regel nur noch 30-40% deines letzten Einkommens beträgt.
Du musst unbedingt beachten, dass du in der Zeit zwischen Rentenantrag und Rentenbewilligung weder Zahlungen von der Krankenkasse noch von der Rentenversicherung erhältst! In dieser Übergangszeit spricht dir der Gesetzgeber „eine Übergangslösung in Form des Arbeitslosengeldes I (ALG-I)“ zu. (§145 SGB III). Aber auch das musst du wieder beantragen.
Ich empfehle dir in jedem Fall, dich mit deinem Ansprechpartner bei deiner Krankenkasse oder deiner Rentenversicherung beraten zu lassen.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet in ganz Deutschland Beratungsstellen an.

Schwerbehindertenausweis & Härtefonds
Du hast außerdem noch die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, um dir so steuerliche Vorteile zu ermöglichen. Bei einer Brustkrebserkrankung wird dieser Ausweis in der Regel für 5 Jahre ausgestellt und kann dann je nach Therapien und Beschwerden verlängert werden.
Ein Schwerbehindertenausweis bringt eine Reihe von Vergünstigungen mit sich. Neben Steuererleichterungen hast du unter anderem den Vorteil eines erhöhten Kündigungsschutzes und auch mehr Urlaubstage.

Wenn du über ein geringes Einkommen verfügst oder Hartz-IV-Empfänger bist, kannst du beim Sozialamt deiner Gemeinde finanzielle Unterstützung beantragen. Die Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz umfassen Wohngeld, Kleidergeld, Telefongebührenermäßigung und vieles mehr. Scheu dich nicht, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, schließlich ist eine Krebserkrankung eine außergewöhnliche Situation.

Im Falle, dass du aufgrund deiner Krebserkrankung in finanzielle Not gerätst, kannst du schnell und unbürokratisch Hilfe beim „Härtefond der Deutschen Krebshilfe“ beantragen.

Vera

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